Corona-Pandemie: Brief des ZP an die PV-Mitglieder

Corona-Pandemie – eine grosse Herausforderung  pdf Version

Liebe Kolleginnen und Kollegen im PV

In der Silvesternacht haben wir um Mitternacht die Gläser erhoben, angestossen und uns gegenseitig die guten Wünsche für ein gesundes, gutes Jahr 2020 ausgetauscht.

76 Tage später – am 16. März 2020 – hat der Bundesrat die «ausserordentliche Lage» ausgerufen und das öffentliche Leben in unserem Land ganz massiv eingeschränkt: Läden und Restaurants bleiben für mindestens einen Monat geschlossen, der öffentliche Verkehr wird um die Hälfte reduziert (fast fühlt man sich an den «Kriegsfahrplan» erinnert) und uns älteren Personen wird dringend angeraten, wir möchten zu Hause bleiben. Weil wir besonders gefährdet sind, vom Corona-Virus, der der Grund für diese restriktiven Massnahmen ist, angesteckt zu werden.

Wer hätte das an Silvester gedacht? Eine solche Entwicklung war für uns Menschen, für die sich bislang immer alles (vermeintlich) zum Besseren entwickelt hatte, schlicht unvorstellbar.

Und nun stehen wir vor einer wohl noch nie dagewesenen Herausforderung – in gesundheitlicher, wirtschaftlicher und existenzieller Hinsicht.

Gab und gibt es politische Parteien in der Schweiz, die den Standpunkt vertreten, wenn jeder Mensch für sich selbst schaue, dann sei allen am besten geholfen, so stellen urplötzlich auch sie wieder fest, wie wichtig und wie wertvoll Solidarität ist. «Wer in Not gerät und nicht in der Lage ist, für sich zu sorgen, hat Anspruch auf Hilfe [....] und die Mittel, die für ein menschen-würdiges Dasein unerlässlich sind», hält die Bundesverfassung in Art. 12 fest. Darin ist diese Solidarität – und letztlich unser Staatswesen – grundgelegt. Gerade jetzt lässt es sich messen, wie solidarisch, wie sozial unser Staat ist: Nämlich wenn er es schafft, in einer schwierigen Zeit dem Artikel 112 der BV Nachachtung zu verschaffen.

Solidarität dürfen wir aber nicht allein von unserm Staat einfordern!

Solidarität sollen, müssen wir auch selber leben, ein jedes von uns:

> Indem wir die Massregeln der Landesregierung beachten und uns unter anderem auch in

   unseren zwischenmenschlichen Kontakten für eine gewisse Zeit einschränken.

> Indem wir die Hygienevorschriften ernst nehmen und beachten.

Solidarität können und sollen wir aber auch unseren Mitmenschen gegenüber üben, die vom Alleinsein in besonderer Weise betroffen sind. Wir alle kennen solche in unserem Umfeld: Nehmen wir uns ihrer doch an, indem wir vermehrt mit ihnen telefonieren, für sie vielleicht auch Einkäufe und kleine Dienstleistungen übernehmen, damit sie spüren: Ich bin nicht allein.

Setzen wir doch diese kleinen, aber so wichtigen Zeichen wieder vermehrt. Dann wird unsere Gemeinschaft eine solidarischere, eine sozialere – und die Krise erweist sich letztlich sogar als eine Chance für eine menschlichere Welt.

Ich wünsche euch viel Kraft und Mut in dieser Zeit – und viele kleine, wertvolle zwischenmenschliche Erfahrungen.

Roland Schwager

Zentralpräsident SEV-PV